Bernharduskapelle / Bernharduswallfahrt
 

Die ursprüngliche Kapelle auf dem Bernhardusberg

Auf dem Spitzkopf - dem späteren Berhardusberg - stand schon im April 1696 eine Kapelle. Laut einem Eintrag in die Weißensteiner Heiligenpflege hatte der Bauer Hans Jörg Krüeg,  Pächter des Rechberg’schen Hofes , seinem Tochtermann Adam Lang im benachbarten Degenfeld einen Acker auf Aichhalden (Flur südöstlich von Degenfeld) übertragen, mit der Bedingung, dass er alle vier Wochen zu der Kapelle auf dem Spitzkopf gehe und die vorhandenen Baumängel reparieren lasse. Der Hof Rupperstetten liegt 2,5 km südöstlich von der Wallfahrtsstätte entfernt. Ob der Bauer Hans Jörg Krüeg die Kapelle erbaut hat und ob die Kapelle lange vor 1696 erbaut wurde, bleibt unklar.

Als der genannte Acker am 18. November 1711 weiter veräußert wurde, nahm sich das Rechberg’sche Oberpflegeamt in Weißenstein der Kapelle an. Nach einer Notiz in der Oberamtsbeschreibung Gmünd 1870 hat die Pfarrei Weiler in den Bergen zuerst die Bernharduskapelle für sich in Anspruch genommen. Daraus kann man schließen, dass Weiler zum Bau und Unterhalt der Kapelle beigetragen hat; die Pfarrei Weiler in den Bergen lag der Wallfahrtsstätte am nächsten.

Im Wallfahrtsbüchlein für den Bernhardusberg, das 1734 gedruckt wurde, wird berichtet, dass die Kapelle vor 1728 viele Jahre in keinem würdigen Zustand war. In dieser kleinen unansehnlichen Kapelle, die weder Altar noch Bänke hatte, wurde das Bild des hl. Bernhard in der 2. Hälfte des Jahres 1727, durch wunderbare Gebetserhörungen zum Gnadenbild. Die Kapelle wurde im September 1733 abgebrochen und auf ihrem Platz steht seit 1739 das Nepomuk-Standbild.



Bau der Wallfahrtskirche (1730 bis 1733)
Die kleine und unansehnliche Kapelle konnte auf die Dauer für die immer mehr anwachsende Wallfahrt nicht mehr ausreichen. Darum entschloss sich General Freiherr Gaudenz von Rechberg, ungeachtet der Kosten eine geräumige Kirche auf dem Bernhardusberg zu erstellen. Er legte am 30. Mai 1729 seinen Entschluss dem Bischöflichen Ordinariat in Konstanz zur Genehmigung vor, mit der Bitte die anfallenden Opfer der Wallfahrer zum Kirchenbau verwenden, sowie die darüber hinaus anfallenden Kosten aus eigenen Mittel bestreiten zu wollen. Die gewünschte Genehmigung traf bald ein.

Als Baumeister war tätig Christian Widemann von Elchingen. Bis Anfang Juni 1733 waren sämtliche Innenarbeiten der Kirche vollendet. Als Einweihungstag wurde der 4. Sonntag nach Pfingsten, der 21. Juni 1733, bestimmt. Die Einweihung erfolgte durch den Konstanzer Weihbischof Franziskus Johannes Antonius, Freiherr von und zu Sirgenstein.



Die Wallfahrtskirche bekomme eine Reliquie des hl. Bernhard von
Clairvaux
General Freiherr Gaudenz von Rechberg förderte die Bernharduswallfahrt weiter und wünschte sich, für die Wallfahrtskirche eine Reliquie des Heiligen oder ein kleines Teilchen, oder Partikel von seinen Gebeinen zu bekommen. So wandte er sich nach Rom und erreichte, dass ihm dort aus dem Reliquienschatz der Hauskapelle des Ritters Antonio Pellegrini Villareale, eines Mitglieds des Ritterordens vom hl. Jakobus, eine Reliquie des hl. Abts Bernhard von Clairvaux zugesprochen wurde. Die Partikel wurden in eine kleine metallene Reliquienkapsel eingelegt und versiegelt. Auch eine Echtheitsurkunde wurde ausgestellt.




Verlegung der Wallfahrt nach Rechberg

Freiherr Maximilian Emanuel von Rechberg beschäftigte sich mehrere mit den Gedanken, die Bernharduswallfahrt vom Bernhardusberg auf den Hohenrechberg zu verlegen und mit der dortigen Marienwallfahrt zu vereinigen. Er wandte sich im Frühjahr 1806 an den Böhmenkircher Pfarrer. Pfarrer Link war erfreut über das in ihn gesetzte Vertrauen und leistete gerne und eifrig die gewünschte Beihilfe. Er legte in seinem Antwortschreiben gleich einen Entwurf zu einem Antrag auf Wallfahrtserlegung bei, der an den Erzbischof von Regensburg zu richten war.

Am 06. Oktober 1806 erteilte der Freiherr Maximilian an herrschaftlichen Oberamtmann Graser in Donzdorf den Befehl zur Wallfahrtsverlegung auf den Hohenrechberg. Sodann soll die Exsekration und gänzliche Schließung der Kirche erfolgen.
Das Bildnis des hl. Bernhard sei zu übergeben. Die ganze Handlung habe ohne Geräusch zu geschehen. Auf dem Hohenrechberg sei das Bildnis des Heiligen im Einverständnis mit dem dortigen Pfarrer auf dem Seitenaltar der Kirche aufzustellen.
 

Bau der Kapelle auf dem Berhardus 1880

Die neue Kapelle auf dem Bernhardusberg wurde an der Stelle errichtet, wo der Hochaltar der ehemaligen Wallfahrtskirche gestanden war. Die Grundsteinlegung fand am 01. Mai 1880 statt, am Feste der hl. Walburga, der Namenspatronin und Mutter des Grafen Otto. Als Einweihungstag wurde Donnerstag, der 08. Juli 1880 bestimmt.



Wideraufleben der Wallfahrt bis heute
Vom 20. August 1880 ab wurde jedes Jahr das Fest des hl. Bernhard auf dem Berhardusberge gehalten.
Auch bei ungünstiger Witterung kommen zahlreiche Gläubige auf die Berghöhe hinauf. Es ist ein Anwachsen der Zahl der Besucher des Berhardusfestes festzustellen. Die hohe gräflich von rechbergische Familie geht mit guten Beispiel voran.

Auf dem Altar der St. Bernharduskapelle steht eine Nachbildung des Gnadenbildes des hl. Bernhard, dass sich nach wie vor auf dem Hohenrechberg befindet. An der Seitenwand ist eine Gedanktafel zur Erinnerung an die glückliche Rückkehr von
Graf Albert von Rechberg am 20. August aus russicher Gefangenschaft angebracht
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